Das Festmahl auf der Hochzeit:
Wie sich das Catering in den letzten 150 Jahren verändert hat

Essen ist so tief in unseren sozialen Ereignissen verankert, dass es eigentlich zu jedem Anlass einen festen Platz hat. Zum Geburtstag gibt es Torte, beim ersten Date geht man ins Restaurant und am Nachmittag beim Klatsch mit Freunden oder Familie isst man gemeinsam Kaffee und Kuchen. Durch das gemeinsame Essen entsteht Geselligkeit. Kein Wunder also, dass es auch auf der Hochzeit großen Raum einnimmt und es sich dabei um viel mehr als reine Verpflegung handelt. Nun sind die Mahlzeiten auf der Hochzeit aber schon seit jeher ein Spiegel der Zeit, des Status, der Verfügbarkeit und der sozialen Normen. Denn ob es sich um ein formales Bankett oder ein modernes Buffet handelt, das Essen sagt Einiges über das Paar und ihre Gäste aus. Doch um all das besser zu verstehen, lohnt sich eine kleine Zeitreise. Und die beginnt bereits im 19. Jahrhundert.

Das Festmahl beweist den Status im 19. Jahrhundert

Wer im 19. Jahrhundert groß geheiratet hat, hat damit nicht nur die Eheschließung von zwei Menschen gefeiert. In der gehobenen Gesellschaft ging es darum, ein öffentliches Zeichen zu setzen. Familien bewiesen zu diesem Anlass ihre wirtschaftliche Stabilität. Was die Speisen anging, bedeutete das, dass der Genuss nicht unbedingt im Vordergrund stand. Stattdessen war das Essen primär Repräsentation und wurde auf großen Tafeln im privaten Haus oder Gasthof serviert. Auch die Tischordnung war mit festen Sitzplätzen vorgegeben und obwohl es in der Regel nur wenige Gänge gab, waren die Mengen groß. Die Küche selbst war regional und saisonal, aber trotzdem so beeindruckend wie möglich, sodass die Gastgeber in möglichst gutem Licht da standen. Die Gäste selbst verstanden sich dabei als Beobachter gesellschaftlicher Ordnung.

Wie Esskultur den Ablauf bestimmte

In dieser Zeit gab es zwei sehr unterschiedliche Standards, wenn es um die Frage des Servierens ging. Beim Service à la française wurden alle Speisen gleichzeitig aufgetischt, was für einen beeindruckenden Auftritt sorgte, die Speisen aber oft kalt hinterließ. Hier ging es weniger um das richtige Timing und mehr um den Prunk des vollen Tischs. Während des Essens selbst herrschte Stillstand. Mit der Zeit etablierte sich aber ein ganz anderes Konzept. Service à la russe war geboren, bei dem Gänge nacheinander serviert wurden, es etwas mehr Struktur im Ablauf des Festmahls gab und somit, ganz wie nebenbei, eine zeitliche Dramaturgie entstand. Schon damals war klar: auf einer Hochzeit gilt das Essen als Programmpunkt.

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Standardisierte Hochzeitsmenüs in der frühen Moderne

Einige Jahre später änderte sich neben der Esskultur auch der Austragungsort der Feiern. Mit der Urbanisierung wurden die Anwesen der Menschen kleiner und die Privathäuser gaben nur noch selten genügend Raum für alle Gäste her. Ein anderer Ort musste her und der fand sich in Hotels. Sie wurden zu den neuen Hochzeitsorten und die Hoteliers begannen, selbst Menüs zu entwerfen, um die Veranstaltung zu versorgen. Das Essen musste nun nicht mehr regional sein und die ersten Trends zeichneten sich ab, weshalb die Planung zwar kalkulierbarer, aber auch uniformer wurde. Man konnte sich auf das Essen als sichere Konstante verlassen – an einem Tag, an dem so viele verschiedene Dinge funktionieren sollten. Für die Gastgeber war das eine echte Erleichterung, denn sie konnten ihre Verantwortung für das Essen abgeben und genau das genießen, was wir heute als Catering verstehen.

Sättigung und Sicherheit in der Nachkriegszeit

Wer in der Nachkriegszeit oder den 1970ern heiratete, musste seine Erwartungen jedoch im Zaum halten. Der große Traum der Wunschhochzeit wurde von der Lebensmittelknappheit überschattet, durch die überall in Deutschland knapp gehaushaltet werden musste. Essen war ein Zeichen von Wohlstand und Stabilität, weshalb es bei vielen Ehepaaren klare Menüfolgen und wenig Variation gab. Zwar wurde noch immer gefeiert und eine Hochzeit war trotz allem ein Fest, doch war es eben stärker funktional und hatte wenig mit den großen Tafeln früherer Zeiten zu tun. Die Küche blieb ortsgebunden und das, was wir heute als Catering verstehen, existierte kaum.

Der Aufstieg des Buffets in den 1980er und 1990ern

Der auf diese schwere Zeit folgende wirtschaftliche Aufschwung veränderte die Erwartungen erneut. Wo wenige Jahre zuvor noch einzelne Teller mit guten, aber simplen Speisen aufgetischt wurden, konnte nun wieder mehr serviert werden. Das Buffet entstand, und mit ihm ein neues Symbol für Auswahl und Freiheit. Für das Servicepersonal bedeutete es, dass sie während des Festmahls anderen Tätigkeiten nachgehen konnten und nicht mehr einen Teller nach dem anderen servieren mussten. Zum ersten Mal bewegten sich die Gäste während des Essens selbst. Neue Herausforderungen entstanden. Wie ging man mit Warteschlangen um? Und wie genau hatte man sich am Buffet zu verhalten? In gewissem Sinne war der Ablauf noch unklar und das Essen wurde zu einer Art Nebenhandlung.

Die Hochzeit als Erlebnis ab den 2000ern

Doch Nebenhandlung sollte es nicht lange bleiben. Ab den 2000ern wurde die Hochzeit zunehmend als Erlebnis zelebriert. Die Gäste waren plötzlich nicht mehr die Zeugen eines gesellschaftlichen Ereignisses und wurden stattdessen ganz bewusst unterhalten. Man wollte sie weniger beeindrucken und ihnen mehr echte Freude bieten. Auch internationale Hochzeitskulturen flossen immer mehr in die modernen Feiern ein, sodass heute auf ganz unterschiedliche Art und Weise zelebriert werden kann.

Feierst Du heute Deine Hochzeit, stehen Dir dabei die unterschiedlichsten Formen des Caterings zur Verfügung. Du sehnst Dich nach einer Kaffeebar, die die Gäste unterhält, während Ihr als Brautpaar Fotos macht? Und darf es vielleicht ein Drei-Gänge-Menü am Tisch, aber ein paar Food Trucks mit verschiedenen Optionen an Desserts geben, bei denen sich die Gäste den ganzen Abend über selbst bedienen? Vielleicht ist Dir eher nach einem offenen Konzept, bei dem der Koch direkt vor den Augen der Gäste ein Gericht zusammenstellt. Oder Du gehst zurück zum Buffet und lässt das Essen ganz ungezwungen stattfinden.

Sold out
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Catering bietet mehr als bloß Speisen

Am Ende des Tages beeinflusst die Art und Weise zu essen die Zeitstruktur des Abends, die Bewegungsströme im Saal und die Kommunikation zwischen den Gästen. Wer das Catering als dramaturgisches Werkzeug versteht, kann sich von vergangenen Zeiten und ihren Normen inspirieren lassen oder es auf die eigene Art und Weise angehen. Hochzeiten fallen heute ganz unterschiedlich aus und obwohl das ein oder andere weiterhin Normen unterliegt, darf und sollte das Fest vor allem dem eigenen Geschmack entsprechen.